In diesen Räumen bauschte sich früher die Staatsaktion. Das Wort “Majestät” geisterte ständig über die Korridore und Säle. Wachen rasselten klirrend heraus. Kommandos hallten seltsam. Wagen rollten aus und ein, und Pferdehufe tickten mit unerhörter Eleganz auf dem Asphalt. Das war die große Aufmachung des Königtums, das wir noch vor Jahren als etwas Unumstößliches zu denken gewöhnt waren. Dann kam der Tag, da riss der Vorhang des Tempels mitten entzwei, und die Herrlichkeit, die durch Jahrhunderte allen Stürmen getrotzt, war verschwunden, sie hinterließ nichts als das leere Gehäuse, Fremden und Einheimischen ein Schaustück. Der gewaltige Bau des Dresdener Schlosses lässt nur in Einzelheiten die fröhliche Pracht seiner frühen Tage ahnen, die wir aus alten Bildern und Stichen ersehen können. Der Staat hat die Verwaltung übernommen, hat aus der Flucht der Festräume ein Museum gemacht, dessen Veröffentlichungen, von Professor Haenel herausgegeben, über alles Wissenswerte berichten. Das Schlossmuseum übt eine gewaltige Anziehung auf die Besucher Dresdens aus, die erfahren wollen, wie Könige gehaust haben. In diesen prächtigen Räumen ist zum Teil noch das 18. Jahrhundert wohl erhalten, zum Teil aber zeigt sich die Dekorationskunst des 19. Jahrhunderts in großartig kühler Geste.

Geschrieben von Paul Wolff ca. 1923